Thursday, 10 May 2007

Ein Jahr seit unserem Abschied aus Mühltroff wird bald um sein. Ein Jahr Corrymeela liegt dann hinter uns. Aber was wir bis jetzt erfahren und erlebt haben, lässt dieses Jahr deutlich länger erscheinen.

Insgesamt sind das viele vor allem positive und inspirierende Erfahrungen. Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen aus Irland und aus aller Welt. Natürlich gehören dazu auch so manche Herausforderung und nicht so einfache Situation. Angefangen beim Leben und Arbeiten in der anderen Kultur und – zumindest für Kai – auch der anderen Sprache.

An Kultur und Sprache haben wir uns inzwischen gewöhnt. Trotzdem sind unsere Gedanken im vergangenen Jahr oft auch nach Deutschland und die Gemeinde in Mühltroff-Langenbach zurückgegangen. Wir haben (wieder einmal) die Erfahrung gemacht, dass wir vieles besonders aus der Ferne und nach einem Abschied schätzen lernen.

Die Freundschaft zu einer ganzen Reihe von Jung und Alt aus der Gemeinde im Vogtland ist uns zu unserer Freude erhalten geblieben. Unsere Gästeliste für dieses Jahr ist schon erstaunlich lang und wird deutlich von Vogtländern dominiert.

Kai ist besonders gespannt auf den Besuch einer Jungen Gemeinde aus Freiberg, wo er vor ein paar Jahren als Gemeindehelfer gearbeitet hat und wohin er immer noch Kontakt haelt. http://www.johannis-freiberg.de/index_aktuelles.html

Die Corrymeela Gemeinschaft hatte in der Vergangenheit, lange vor dem Fall der Mauer, gute Kontakte zu Freunden und kirchlichen Gruppen in Ostdeutschland. Diese Beziehungen sind aber wohl im Laufe der Jahre eingeschlafen. Vielleicht entsteht hier jetzt etwas Neues. Für uns wird es auf jeden Fall eine Freude sein, eine Gruppe Jugendlicher aus Sachsen hier zu begrüßen und für eine Woche begleiten zu können.

Den Abstand vom Pfarramt hat Kai bis jetzt reichlich zum reflektieren und nachdenken genutzt. Besonders am Anfang kam es ihm so vor, als hätte er einen Teil von sich zurückgelassen. Das Leben und Arbeiten im Begegungszentrum ist halt sehr verschieden von unserem Leben davor im Pfarramt. Aber wir fühlen uns nach wie vor wohl im Gemeinschaftsleben in Corrymeela mit den wechselnden Gästen, unseren jugendlichen Freiwilligen und den anderen Beschäftigten im Zentrum.

Als Familie fühlen wir uns immer noch am zurzeit bestmöglichen Ort. Unsere Kinder wachsen in Gemeinschaft auf und haben 12 Freunde (unsere 12 jugendlichen Freiwilligen aus aller Welt), die sie in mindestens fünf verschiedenen Sprachen unterhalten.

Wir sind momentan in der privilegierten und glücklichen Situation, unseren Kindern gemeinsam ein Maximum an Aufmerksamkeit und Zuwendung zu geben. Und wir sehen und erleben durch unsere Arbeit hier mit Familien und Kindern aus sozialen Brennpunkten oft genug den Kontrast zu schwierigen und brutalen Familienverhältnissen. Das hält uns wach und dankbar für unser Leben und Arbeiten.

Aus dem vergangenen Monat ragen für uns auch zwei Begegnungen mit einer besonderen spirituellen Dimension heraus. Am St. Patrick’s Wochenende (17. März – ein wichtiges Datum in Irland, wie wir gelernt haben) war Fr. Laurenz Freeman aus London in Corrymeela zu Gast, um einen Kurs in christlicher Meditation zu leiten. Das Meditieren und die Anleitungen von Fr. Laurenz haben uns einen erfrischend neuen Zugang zum Gebet eröffnet.

Am Osterwochenende hatten wir eine Familiengruppe türkisch/turkmenischer Muslime zu Gast. Alle Bauchschmerzen und Kopfzerbrechen im Vorfeld können wir inzwischen erfreulicherweise belächeln. Unsere Osterfeier wurde bereichert durch die Begegnung mit tiefgläubigen Menschen einer anderen Religion und spürbarem, gegenseitigem Respekt.

Was es genau bedeutet, das uns die Gruppe in fast allen unseren Gebeten und Meditationen über das Osterwochenende begleitet hat, bedarf sicher noch weiterer Reflexion unsererseits. Uns ist aber soviel deutlich, dass wir an Ostern Schranken durchbrochen und neue Freunde gewonnen haben. Den Mächten des Todes und der Gewalt, die anderenorts wüten, haben wir in Corrymeela am warmen Osterfeuer die kalte Schulter gezeigt.

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